Vera Lutter

30. - 31. Juli 2011


Galerie Max Hetzler zeigt in Weidingen (Eifel) vier neue Fotografien der in New York lebenden deutschen Künstlerin Vera Lutter. Unter Verwendung der Camera obscura-Technik schafft Vera Lutter bestechende Bilder von urbaner Architektur als auch von Industriebauten und Interieurs.

In der Sommerausstellung werden großformatige schwarzweiß-Fotografien gezeigt, auf denen die mittelalterliche Abtei Maria Laach, die in einer malerischen Landschaft in der Eifel liegt, abgebildet ist. Die sechstürmige Basilika Maria Laach, mit ihrer monumentalen Fassade, dem Arkadengang sowie ihrem unverwechselbaren Westvorbau gilt als ein Meisterwerk der deutschen Romanik.

In Lutters Fotografien von Maria Laach hebt sich die Silhouette des Gebäudes scharf gegen einen scheinbar nächtlichen Hintergrund ab. Die geheimnisvolle Aura, durch die sich Lutters Arbeiten auszeichnen, wird durch plastische Details und Umkehrung von Schwarz und Weiß hervorgehoben.
Fasziniert von der Skyline von Manhattan in New York, wo Lutter seit den 90er Jahren lebt, hat sie ihr Loft in eine Lochkamera verwandelt: Ich wollte die Architektur dazu benutzen eine Erfahrung aufzuzeichnen und begann zu experimentieren. Im Nachhinein fing die Künstlerin an, Lochkameras in Zimmergröße vor Ort zu bauen, in denen sie während der Belichtungszeit einen Großteil ihrer Zeit verbrachte und somit aus ihrem Atelier buchstäblich eine Camera obscura machte.
In den Arbeiten werden Projektionen der Außenwelt auf großformatigem Fotopapier eingefangen, das an der Hinterwand der Lochkamera befestigt und mitunter Stunden oder Tage belichtet wird. Nach der Entwicklung bildet sich auf dem Papier ein Negativ der Wirklichkeit ab: Die belichteten Stellen erscheinen dunkel und dort, wo das Licht am intensivsten war, sieht man nun reines Schwarz. Mit dieser Technik entstandene Fotografien sind Unikate.

Vera Lutters Werk strebt danach Grenzen der Repräsentation zu überschreiten. Desweiteren manifestieren sich durch den Einsatz ihrer Verfahrensweise Zeit und Raum als Prinzipien von Realität. Bezugnehmend auf Martin Heideggers Schriften formulierte Michael Newman, dass die Brillianz der Herangehensweise von Lutter darauf beruht, explizit auf eine der Wiedergabe der Wirklichkeit dienliche téchne (Methode) zurückzugreifen, um eine Art von Wahrheit hervorzubringen, die nicht dementsprechend auf Ähnlichkeit, sondern auf Enthüllung basiert. Die Künstlerin dokumentiert ortsbezogene Architektur und schafft damit Bilder, die sowohl surreal als auch erhaben sind. Gleichzeitig sind ihre Arbeiten der Wirklichkeit entfremdet und erweitern so möglicherweise die Wahrnehmung des Betrachters.
Es ist eine Kritik und eine Dekonstruktion dessen, was wir unter einem Abbild der Wirklichkeit verstehen würden, sagt Lutter.

Vera Lutter, geboren 1960, studierte in München und New York. Sie lebt und arbeitet in New York. Ihre Arbeiten waren u.a. in folgenden Institutionen zu sehen: Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid (2010); Centre Pompidou, Paris (2009); Fondation Beyeler, Basel (Einzelausstellung, 2008); Kunsthaus Graz (Einzelausstellung, 2004); Museum of Modern Art (MoMA), New York (2002); Whitney Museum of American Art, New York (2002); Museum of Contemporary Photography, Chicago (Einzelausstellung, 2002); Kunsthalle Basel (Einzelausstellung, 2001) sowie Dia Art Foundation, New York (Einzelausstellung, 1999).
Eine Einzelausstellung mit Vera Lutter im Carré d’art Musée d’Art contemporain in Nîmes und in der kestnergesellschaft in Hannover ist für 2012 geplant.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Florian Rehn unter +49(0)30 459 77 420 oder besuchen Sie unsere Website www.maxhetzler.com.
Nächste Ausstellung in der Galerie Max Hetzler: Beatriz Milhazes (10. September – 5. November 2011).