Albert Oehlen
Vier Gemälde

 

5. September bis 25. Oktober 2003

Galerie Max Hetzler Zimmerstraße 90/91 Berlin-Mitte

Die Galerie Max Hetzler zeigt eine Ausstellung aktueller Arbeiten von Albert Oehlen.

Die vier großformatigen Bilder aus dem Jahr 2001, die bereits in einer Museumsausstellung in Straßburg zu sehen waren, verdeutlichen den derzeitigen Entwicklungsstand von Albert Oehlens Malerei.

Charakteristisch für seine neueren Arbeiten ist die gleichzeitige Anwesenheit figurativer und rein malerischer Elemente. Nachdem Albert Oehlen zwischen ca. 1987 und 1997 in seiner ´postungegenständlichen´ Malerei seine Bilder vor allem aus komplexen formalen Schichtungen aufgebaut hatte, kam es 1997 zu einer Wende innerhalb des Werkes: erneut hielt Figuratives und Erzählerisches Einzug in die Bilder. Doch anders als in seinem Frühwerk geht es nun nicht mehr um die malerische Neu-Reflektion klassischer Genres der Kunst wie Stilleben, Architektur, Figurenbild, die Albert Oehlen zwischen 1981 und 1986 durchgespielt hatte. Die Figürlichkeit und Thematiken, die auf seinen Bildern der letzten fünf Jahre anzutreffen sind, entspingen einer anderen Quelle: es ist eine phantastische Bildsprache, die an die écriture automatique der Surrealisten erinert, in der verschiedenste Elemente der belebten und der unbelebten Welt in grotesker Weise aufeinander treffen und absurde Verbindungen eingehen. Gleichzeitig tauchen in dem oft sehr dichten, mehrperspektivischen Bildgeschehen Reminiszenzen an frühere eigene Bildmotive, sowie Zitate aus der Kunstgeschichte auf.

Ausgangspunkt der vier ausgestellten Werke sind am Computer entstandene Kompositionen aus Fotomaterial, das zum Teil in früheren Werken bereits Verwendung fand. Die collagierten Kompositionen übertrug der Künstler auf Leinwände und unterzog sie einer malerischen Bearbeitung. Der Eigendynamik des malerischen Geschehens zu Folge wurden die im Hochformat angelegten Collagen in ein Querformat umdefiniert, um eine für Oehlen charakteristische Spannung zwischen figurativer, erzählerischer sowie rein malerischer Strukturen zu erzeugen. Einzelne erkennbare Motive werden remixt und erfahren eine vielfältige Bearbeitung: mal werden sie ´gekippt´, ´überstrichen´ und unkenntlich gemacht oder aber erweitert und damit neu ausgedeutet.

So versuchen etwa im Bild Grüntöne abgeschnittene Hände in einer diffusen Farbwelt verschiedener ominöser Gegenstände habhaft zu werden. Wege veranschaulicht skurrile Figuren, wie einen Cowboy, Bären und Clowns, während Schallplattenexistenz Fragmente aus Comics enthält, z.B. eine Operationssszene in der Umgebung von offenen Farbeimern, um so auf das nicht selten heikle aber auch rettende Engagement im Zeichen der Kunst anzuspielen. Dazu liegen in der Nähe der Farbtöpfe Räder von Fahrrädern herum, um beiläufig Duchamps vermeintliche ´Überwindung´ der Malerei durch die Aneignung des Gegenstandes zu thematisieren. Ein anderes Bildzitat stammt von Salvador Dalí: eine Figur, die jedoch malerisch zu einem musizierenden Teenager der Marke Hell´s Angels umgearbeitet wurde. In Material auf Abruf tauchen als thematisches Material vor allem organische Formen und Knochen auf; auch sie thematisieren Material, das der Kunst einverleibt wird, bzw. das ´Innere´ der Malerei bildet.

Insgesamt veranschaulichen Oehlens Bilder Überforderung auf der einen und eine dekonstruierende Analyse auf der anderen Seite. Rein malerische Mittel, mehr oder minder konkretes Material der Kunst und die in einer konstanten motivischen Transformation befindlichen Bildmotive befragen gegenseitig ihre Identität. Die Bilder künden damit von der paradoxen Unmöglichkeit und gleichzeitigen Möglichkeit zeitgenössischer Malerei.

Der 1954 geborene Albert Oehlen ist in besonderer Weise mit der Galerie verbunden. Seit seiner ersten, 1981 in Stuttgart stattgefundenen Einzelausstellung mit dem Titel Bevor ihr malt, mach ich das lieber präsentiert die Galerie sein Werk regelmäßig bis in die Gegenwart hinein. Darüber hinaus zeigt der Künstler sein Werk seit Mitte der 80er Jahre international und wird u.a. auf der Biennale in Lyon zu sehen sein. Albert Oehlen ist seit 2000 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

Für weitere Informationen rufen Sie bitte die Galerie unter 030 229 24 37 an oder besuchen Sie unsere Website unter www.maxhetzler.com