Albert Oehlen - Galerie Max Hetzler
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Wir freuen uns, Sie auf unverständliche braune Bilder, unsere Einzelausstellung mit neuen Werken von Albert Oehlen in unseren Galerieräumen in der Goethestraße 2/3 und der Bleibtreustraße 15/16 aufmerksam zu machen. Die Ausstellung wird während des Gallery Weekend Berlin zu sehen sein.

Als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart stellt Albert Oehlen seit den 1980er-Jahren die Methoden und Paradigmen der Malerei in Frage. Er unterzieht das Medium damit einer stetigen Neuinterpretation und Verwandlung, die sich gegen tradierte Hierarchien der Malerei stemmt.

Die Ausstellung präsentiert 20 neue Werke auf Leinwand und ein Werk auf Aluminium Dibond. Dabei sind die Arbeiten in den Werkgruppen u.b.B. (unverständliche braune Bilder) und Ö-Norm zusammengefasst. Wie der Titel der Ausstellung anklingen lässt, dominiert eine erdige Farbpalette, welche Assoziationen zu den Farbnuancen des Kubismus und Künstlern dieser Zeit, wie etwa Francis Picabia hervorruft. Diese Farbigkeit wird durch leuchtendes Pink, Primärfarben sowie Grün-, Grau- und eine Vielzahl von Blautönen ergänzt. In vielen Gemälden verleiht Weiß dabei Tiefe wie auch zusätzliche Leuchtkraft.

Die technische Vielfalt, die sich von heftigem Tropfen, Sprühen und Verschmieren über delikates Verwischen und hin zu Sfumato erstreckt, vergegenwärtigt Oehlens zügellose Herangehensweise an die Malerei. Zwischen Flächigkeit und Tiefe, Struktur und Formlosigkeit, stellen die Werke malerische Detailfreude einer ausgeprägten Demolierung entgegen und offenbaren die unnachahmliche malerische Vielschichtigkeit des Künstlers.

Seine ersten abstrakten Arbeiten kreierte Oehlen in den späten 1980er-Jahren mit ikonoklatischer Absicht, in der Hoffnung die Unzugänglichkeit der Malerei anzuprangern. Seit den frühen 1990er-Jahren finden sich vieldeutige Formen und Farbphänomene in seinen Werken wieder, die seither zu Erkennungszeichen seines Oeuvres wurden.

Während die u.b.B. Arbeiten mit diesen frühen Abstraktionen, die der Künstler damals als post-ungegenständliche Malerei bezeichnete, einiges gemeinsam haben, sind sie doch weniger pastos und machen mit ihren verwischten und transparenten Farbschichten einen feineren und glatteren Eindruck und schüren somit eine weitergehende Vielschichtigkeit.

In einigen Arbeiten stehen präzise gemalte Details spärlich bemalten Bereichen gegenüber, die mit Farbe bespritzt sind und so die Dynamik von Action Painting heraufbeschwören, während in anderen Werken der Rücken einer Figur mit langen Haaren und erhobenen Armen angedeutet scheint.

Die kontinuierlich bedeutende Rolle der Linie in Oehlens Oeuvre durchzieht auch die aktuelle Ausstellung, in ihrer Form gleichermaßen geschwungen und kontrolliert, freihändig und vorgezeichnet. In den Ö-Norm Werken wird der Betrachter an die oft exzentrische Linienführung in Oehlens Baumbildern erinnert, welche sich hier genauso zum Rand der Bildfläche ausbreitet. Im ersten Gemälde der Werkgruppe scheint ein Raster aus dem Hintergrund durch, ein Effekt, der dem Werk eine raue unvollendete Qualität verleiht und die werkimmanente Spannung zwischen Eleganz und Ablehnung betont.

Der Künstler hat in seinem Werk wiederholt ganze Gruppen erschaffen, die die Methoden und Ästhetik der Collage aufgreifen, indem er etwa Materialien wie Werbeposter oder bedruckten Stoff mit transparenten Farbschleiern übermalt hat. In drei der ausgestellten Gemälde sind alte Ausstellungsposter, Bildausschnitte oder Textfragmente eingearbeitet und erinnern damit an Oehlens frühere Werbebilder, auch hier wird somit der tradierte Dualismus von Abstraktion und Figuration ad absurdum geführt.

So vereinen die neuen Arbeiten zahlreiche Motive und Techniken aus der bilderstürmerischen Praxis des Künstlers wieder, während sie gleichzeitig in den Bereichen von Oberfläche, Farbe und Linie in neue Richtungen vorstoßen und Oehlens Ruf als Umstürzler der Konventionen des Mediums untermauern. Hier wird Malerei als ein Feld von Vielschichtigkeit und Spannung vorgeführt, in dem die Möglichkeiten und Werte von Selbstausdruck, künstlerischer Wahrhaftigkeit und auch der Malerei im allgemeinen einer unaufhörlichen Überprüfung unterzogen werden.

Albert Oehlen (*1954, Krefeld), lebt und arbeitet in der Schweiz. Seit 1981 stellt er regelmäßig in der Galerie Max Hetzler aus. Oehlens Arbeiten wurden in zahlreichen Einzelausstellungen in internationalen Institutionen gezeigt, wie Serpentine Gallery, London (2019-2020); Palazzo Grassi, Venedig und Aïshti Foundation, Beirut (2018-2019); Museo Nacional de Bellas Artes, Havanna (2017); The Cleveland Museum of Art und Guggenheim, Bilbao (2016); New Museum, New York und Kunsthalle Zürich (2015); Museum Wiesbaden (2014); mumok, Wien (2013); Kunstmuseum Bonn (2012); Carré d'Art de Nîmes (2011); Musée d'art moderne de la Ville de Paris (2009); Whitechapel Gallery, London (2006); MOCA, Miami und Kunsthalle Nürnberg (2005); Salamanca und Secession, Wien (2004); Musée Cantonal Des Beaux Arts, Lausanne, Domus Artium (2002).

Oehlens Arbeiten befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Museum Brandhorst, München; The Broad, Los Angeles; Centre Pompidou, Paris; The Cleveland Museum of Art, Cleveland; Fondation Louis Vuitton, Paris; Institut Valencià d'Art Modern, Valencia; Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles; MUDAM, Luxemburg; Musée d'art moderne de la Ville de Paris, Paris; Musée d'Art Moderne et Contemporain Strasbourg; Museum of Contemporary Art, Chicago; Museum of Contemporary Art - MOCA, Los Angeles; Museum für Moderne Kunst, Frankfurt/Main; Museum Ludwig, Köln; Tate, London; Staatliche Kunstsammlung Dresden; und The Museum of Modern Art, New York.


Weitere Ausstellungen und Veranstaltungen:

bis April 2021
Navid Nuur
Apart from the secret that it holds

41 Dover Street London W1S 4NS

April – Juni 2021
Darren Almond
Dark Light

57, rue du Temple 75004 Paris

April – Juni 2021
Raymond Hains
Bleibtreustraße 45 10623 Berlin
Window Gallery, Goethestraße 2/3 10623 Berlin


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