Julian Schnabel - Galerie Max Hetzler
Installation view

Wir freuen uns, Sie auf unsere Einzelausstellung mit neuen Werken von Julian Schnabel in unseren Galerieräumen in der Goethestraße 2/3 aufmerksam zu machen. Dies ist die erste Einzelpräsentation des Künstlers in der Galerie Max Hetzler.

Seit den späten 1970er Jahren strebt Julian Schnabel danach, die Möglichkeiten der Malerei durch den Einsatz unkonventioneller Materialien, zufallsbasierter Prozesse, großer Formate, Gesten und aufgeladener Bildgründe zu verändern. Seine Werke markierten eine Abkehr von den Konventionen der Malerei und waren entscheidend für das Wiederaufleben der Gattung in den Vereinigten Staaten, wo der Einfluss des Künstlers auch heute noch erkennbar ist.

Die Galerie Max Hetzler präsentiert elf neue Arbeiten Schnabels, welche mit einem großen japanischen Kalligrafiepinsel und satter roter Tinte gemalt wurden. Der Künstler experimentiert mit Flüssigkeiten und Trocknungsprozessen – mit der Kraft seines künstlerischen Abdrucks lässt er Bilder aus anderen Dingen entstehen. „Es gab immer diese Erforschung“, erklärt er, „wie die Farbe auf der Oberfläche liegt und wie man eine bestimmte Art von gemalter Realität mit einer anderen koexistieren lassen kann.“

Die beiden erstmals gezeigten Werkserien lassen sich an ihren unterschiedlichen Medien erkennen: es handelt sich um acht Gemälde auf Reispapier auf Leinwand, und drei Gemälde auf Stoff, welcher von den Obstständen eines mexikanischen Marktes stammt. Für Schnabel sind die gefundenen Materialien, ihre physischen Eigenschaften und ihre Geschichte, wesentliche Bestandteile seiner malerischen Kompositionen.

Die erste Gruppe von Gemälden mit dem Titel The Parade Begins and the Parade Ends (for Reinaldo Arenas) [I-VIII], 2020, ist eine Hommage an zwei Texte des kubanischen Dichters, Schriftstellers und Dramatikers Reinaldo Arenas (1943-1990) über die kubanische Revolution. Zutiefst sinnlich, werden Bild und Grund in Schnabels Werken durch Geste, Maßstab und Intuition miteinander verschmolzen. Durch die Verwendung eines Schlauchs zur Verdünnung der roten Tinte variieren die Zeichen in ihrer Deckkraft und spiegeln die Bewegungen der Hand des Künstlers und die Art und Weise wider, wie die Tinte auf dem Pinsel haftete, als sie auf das Papier aufgetragen wurde. Auf einigen Bildern sieht es aus, als sei ein Reifen über die Oberfläche gefahren, wo parallele Linien um wässrige Formen herum tropfend und fegend verstreut sind.

Ferner sind drei zweiteilige Gemälde zu sehen, die aus sehr grober, rosafarbener, von der Sonne verwitterter Baumwolle gefertigt sind. Unter dem Titel The Second Version of the Tower of Babel [I-III], 2020, sind sie eine Anspielung auf ein frühes „Wax Painting“ des Künstlers mit dem Titel Tower of Babel (for A.A.), 1976-1978, das von den Zeichnungen Antonin Artauds (1896-1948) inspiriert ist. In ihrer Textur erinnern die Werke an die Serie der „Velvet Paintings“, an denen Schnabel in den 1980er und 1990er Jahren arbeitete, sowie an die Oberflächen von bahnbrechenden Werken wie The Wind, 1985 und Fresh Eggs, 1985, bei denen der Künstler auf verwittertem Material malte und sich dabei von den Spuren der Verschmutzungen leiten ließ. Während Schnabel in diesen früheren Arbeiten harte Linien und Modellierpaste verwendete, um die Bilder von ihren Trägern zu entfernen, verwendet er hier Wasser, um die Formen aufzuweichen und es der Farbe zu ermöglichen, sich im Stoff aufzulösen. Wie bei einem Rorschach-Test entstehen so Bilder auf der Oberfläche, die den Betrachter dazu anregen, etwas heraufzubeschwören, was vielleicht gar nicht vorhanden ist: „Ich meine, man sieht Bilder, die aus diesen Dingen herauskommen. Aber nichts davon ist beabsichtigt. Es ergibt sich aus dem Prozess.“ Der Künstler vergleicht diese Erfahrung mit dem Betrachten von Wolken.

Für Schnabel war die Malerei immer ein Akt der Entdeckung. Indem er absichtlich das Unbekannte malt “, liefern seine Werke eine getreuere Darstellung der Erfahrung, als es jeder Versuch, die physische Welt realistisch abzubilden, je könnte.“1


Julian Schnabel (*1951, New York), lebt und arbeitet in New York City und Montauk, Long Island. Einzelausstellungen seiner Arbeiten fanden in internationalen Institutionen statt, wie ARoS Aarhus Kunstmuseum, Dänemark (2018); Legion of Honor Museum, San Francisco (2018); The Glass House, New Canaan, Connecticut (2017); Aspen Art Museum, Colorado (2016); University of Michigan Museum of Art, Ann Arbor (2015); Museu de Arte de São Paulo - MASP (2014); Brant Foundation Art Study Center, Greenwich, Connecticut (2013); Museo Correr, Venedig (2011); Art Gallery of Ontario, Toronto (2010); Castel Sant'Elmo, Neapel (2009); Kiasma - Museum für zeitgenössische Kunst, Helsinki (2008); Palazzo Reale, Mailand (2007); Schirn Kunsthalle, Frankfurt (2004); Fundació Joan Miró, Barcelona (1995); Whitney Museum of American Art, New York (1987); und Contemporary Art Museum, Houston (1976). Schnabels Werke sind unter anderem in den öffentlichen Sammlungen des Centre Georges Pompidou, Paris, des Guggenheim Museums, Bilbao, des Museum of Modern Art, New York, des Solomon R. Guggenheim Museum, New York, des Stedelijk Museum, Amsterdam, der Tate, London, und des Whitney Museum of American Art, New York, vertreten.

Parallel zur Galerie Max Hetzler wird die Ausstellung Julian Schnabel – The Fall of Tyll and other Map drawings ab dem 17. September im Office Reiner Opoku, Emser Straße 43, 10719 Berlin, gezeigt.

1 Max Hollein, ‘Seeing Paintings Everywhere’, in Julian Schnabel: Symbols of Actual Life, Ausstellungskatalog, Legion of Honor, San Francisco, 2018.


Weitere Ausstellungen und Veranstaltungen:

2. September – 11. Dezember 2021
Raphaela Simon
Bleibtreustraße 15/16, 10623 Berlin

7. September – 11. Dezember 2021
Rebecca Warren
Window Gallery, Goethestraße 2/3, 10623 Berlin

8. September – 11. Dezember 2021
Rudolf Stingel
Schönheitssalon Omm
Kantstraße 139, 10623 Berlin

11. September – 30. Oktober 2021
Louise Bonnet
Bathers
57, rue de Temple, 75004 Paris

14. September – 6. November 2021
Matthew Barney
After Ruby Ridge
Bleibtreustraße 45, 10623 Berlin

30. September – 6. November 2021
Günther Förg
Constellations of Colour
41 Dover Street, W1S 4NS, London


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