Karel Appel - Galerie Max Hetzler

Wir freuen uns, Sie auf unsere erste Einzelausstellung mit späten Aktbildern von Karel Appel in der Goethestraße 2/3 aufmerksam zu machen.

Karel Appel begann seine künstlerische Karriere kurz nach dem zweiten Weltkrieg und prägte als Gründungsmitglied von CoBrA (1948-1951) – entstanden aus der Experimentele Groep in Holland (1948) – die Avantgardeentwicklungen dieser Zeit. Über sechs Jahrzehnte hinweg experimentierte Appel übergreifend in den Bereichen Malerei, Skulptur, Zeichnung und Bühnenbild. Er ließ sich nie auf einen bestimmten Stil, Medium oder Thema festlegen, sondern behielt sich stets den Drang bei, die eigene Praxis weiterzutreiben. Appel fand Inspiration in der ursprünglichen Ausdrucksweise von Volkskunst, bei der Kunst von Kindern und Menschen mit geistiger Behinderung, aber auch bei den improvisierten Techniken von Jazzmusik und ließ so seine klassische, akademische Ausbildung an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam früh hinter sich. Sowohl abstrakte wie figurative Elemente verbindend, vertrat er eine aufrichtige Kunst, die Autor und Kurator Klaus Ottmann als „losgelöst von jeglichem politischen oder didaktischen Zweck“ beschrieb.

“1994 begann Karel Appel, in seinem New Yorker Atelier, eine Serie von Akten – weibliche und männliche. […] Die Gemälde haben ein vertikales Format und sind schmal, so dass die aufrecht stehende, menschliche Gestalt nur sehr knapp hineinpasst, wie in einen Kasten gestellt. Der Vordergrund ist stark von der Figur beherrscht, die in jedem Gemälde eine andere, expressive Position einnimmt.
Der stehende, frontale Akt ist ein wiederkehrendes Thema in Appels Werk. Obwohl er auch liegende Akte gemalt hat, meist in der traditionellen oder klassischen Verbindung mit Landschaften, bevorzugte er den stehenden Akt, das heißt, die Figur, die nicht ruht. Liegende Akte sind beinahe immer idyllisch und träumerisch, das ist ihre ästhetische Rolle. Der aufrechte Akt kann sich jeden Moment bewegen und die Haltung verändern. Diese Bewegung kann abrupt sein, langsam, dramatisch, heftig, aggressiv; von der stehenden Figur kann der Maler eine Vielzahl verschiedener Ausdrücke ableiten und entwickeln. Dies scheint die Intention des Künstlers gewesen zu sein.
Um ein detaillierteres Bild von Bewegungen zu bekommen und Ausdrücke besser dirigieren zu können, arbeitete Appel mit Modellen. Der Kontakt mit dem lebenden, sich bewegenden Modell (gegenüber dem lauernden und messenden Augen des Künstlers) hat diesen neuen Akten eine besondere Frische verliehen. Dies kommt vor allem durch die anziehende Beweglichkeit der Akte; zu Rembrandts Zeiten hätte man es eine 'anmutige Sprunghaftigkeit' genannt. Diese Beweglichkeit, Lebendigkeit, findet man als logische Übersetzung in der Art, wie die Akte gemalt wurden, wieder: mit leidenschaftlichen, kräftigen Pinselstrichen in leuchtenden Farben. Die Bewegungen des Malers werden auf der begrenzten Oberfläche komprimiert, wodurch sie noch intensiver wirken. So sind diese Gemälde – geschaffen in der fokussierten Atmosphäre des Ateliers – reine, freie Studien – üppige Gemälde eines Malers, der mit dem Alter, immer weiter wuchs.“ (Rudi Fuchs, 1995)

"Ich male Akte weder um die Natur zu imitieren noch um so nah wie möglich an die Natur heranzukommen. Ich benutze den Akt als Inspiration um ein Gemälde zu schaffen, dass als Akt bezeichnet wird. Die ganze Freiheit, die ich nach fünfzig Jahren Malerei gewonnen habe – Freiheit und Technik, Farbe und Gestaltung – konzentriert sich plötzlich in der Form des Akts. Und jeder Akt fügt dem eine weitere Schwingung hinzu, eine weitere emotionale Assoziation, und das führt zu einem Gemälde, welches in Farbe und Form anders ist. Ich suche immer nach einer Form, die mehr oder weniger anders ist. Es gibt nicht all zu viel, dass man mit einem Akt machen kann. Wir alle haben zwei Arme, zwei Beine, zwei Augen und einen Kopf – das ist es, womit man arbeiten muss.“
(Karel Appel, 1995)

Karel Appel (1921-2006) lebte und arbeitete u.a. abwechselnd in Paris und New York. Retrospektiven seines Werks wurden 2017 im Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris und 2016 im Gemeentemuseum Den Haag gezeigt. Weitere Einzelausstellungen fanden weltweit in wichtigen Institutionen statt, darunter dem Emil Schumacher Museum Hagen; Phillips Collection, Washington D.C. (beide 2016); Musée National d'Art Moderne – Centre Pompidou, Paris (2015); Museum Jorn, Silkeborg (2013); Cobra Museum, Amstelveen (2008); Albertina, Wien (2007); Gemeentemuseum Den Haag (2005); National Museum, Belgrad; Palais des Beaux-Arts, Brüssel (beide 2004); Kunstforum Wien (2002); Stedelijk Museum, Amsterdam (2001); Stedelijk Museum voor Actuele Kunst, Gent (2000). Appels Werke waren Teil von Gruppenausstellungen u.a. in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main; Haus der Kulturen der Welt, Berlin; Museo de Bellas Artes de Bilbao; und Palais des Beaux-Arts, Brüssel (alle 2018); Haus der Kunst, München (2016); Kunstmuseum Stuttgart (2015); Tate St Ives (2014); Martin Gropius Bau, Berlin; Rijksmuseum, Amsterdam (beide 2013); The Solomon R. Guggenheim Museum, New York (2012); Bridgestone Museum of Art, Ishibashi Foundation, Tokio (2011); Hermitage, St. Petersburg (2003); The Royal Academy of Arts, London (2002); Tate Gallery Liverpool (2000).

Karel Appels Arbeiten sind in internationaler Sammlungen zu finden, darunter dem Centre Pompidou, Paris; Art Gallery of Ontario, Toronto; Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris; Moderna Museet, Stockholm; Tate, London; The Museum of Modern Art, New York; Pinakothek der Moderne, München; The Phillips Collection, Washington D.C.; Solomon R. Guggenheim Museum, New York; Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington D.C.; Neue Nationalgalerie, Berlin. Und natürlich in allen wichtigen niederländischen Museen, insbesondere dem Rijksmuseum, Amsterdam, dem Stedelijk Museum, Amsterdam und dem Gemeentemuseum Den Haag.

Wir danken dem Nachlass von Karel Appel für die großzügige Unterstützung.


Weitere Ausstellungen und Messebeteiligungen:

26. Oktober – 21. Dezember 2019
Toby Ziegler There's a ghost in my house
57, rue du Temple 75004 Paris

21. November 2019 – 11. Januar 2020
Robert Holyhead No movement, no colour
41 Dover Street W1S 4NS London

23. November 2019 – 11. Januar 2020
Carroll Dunham | Michael Williams Drawings
curated by Cornelius Tittel
Bleibtreustraße 45, 10623 Berlin


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