Sigmar Polke - Galerie Max Hetzler

Wir freuen uns, Sie auf unsere Ausstellung "ZEITREISE" – Photographs 1966 – 1986. Collection Georg Polke mit Fotografien von Sigmar Polke aus der Sammlung Georg Polke, in der Goethestraße 2/3 aufmerksam zu machen.

In seinen frühen Fotografien erweist sich Sigmar Polke als experimentierfreudiger Verwandlungskünstler und Alchimist der Dunkelkammer. Die großenteils erst kürzlich veröffentlichten Fotografien zeigen Polke als einen Protagonisten der Kunstszene und scharf blickenden Chronisten mit ganz eigenem Humor. Das umfangreiche fotografische Konvolut legt Spuren in das Leben eines Künstlers, der die Kamera zu seiner ständigen Begleiterin machte und schickt den Betrachter auf eine Reise in die Zeit der späten 60er und 70er Jahre bis zu Polkes Biennale-Teilnahme 1986.

In zahlreichen Aufnahmen zeigt Polke sein persönliches Umfeld: zu Hause, zunächst in Düsseldorf, ab 1972 auf dem Gaspelshof in Willich, später in Köln, bei dem Besuch von Vernissagen und auf Reisen. Es entstehen „unglaubliche Dokumente des Dabeiseins“ (Bice Curiger), die von der Lebensfreude und Anteilnahme, von der wachen Offenheit und Präsenz des Fotografen zeugen. In seinen Bildern gehen Leben und Kunst ineinander über, wobei die Rheinische Kunstszene der 1970er Jahre sich vor der Linse immer auch selbst inszenierte.

Ausgesprochen unbekümmert setzt sich Polke in seinen Fotografien über Regeln hinweg und sucht dabei unablässig nach Wegen, das Dargestellte der Banalität des Alltags zu entziehen. Indem er seine Aufnahmen mit verschiedenen technischen und fotochemischen Eingriffen manipuliert, testet Polke die Grenzen des Mediums und setzt dort an, wo ihm das Foto als bloßes Dokument zu wenig ist. Er experimentiert mit Doppelbelichtungen und Unschärfe, solarisiert, verwischt und überlagert Teile in einem intuitiven, teils auch durch bewusstseinserweiternde Substanzen beförderten Prozess, in dessen Verlauf seine Bilder atmosphärisch aufgeladen werden. Durch die Bearbeitung verlieren die Motive an Eindeutigkeit, werden ambivalent, teils surreal verfremdet, teils auratisch überhöht, wodurch Polke die Fotografie seiner Malerei nahe bringt.

“Bewusst produzierte ‚Fehler‘ und zufällige Effekte nutzt Polke als eine Art Katalysator. So entstehen Bilder, die das Alltägliche humorvoll brechen und dem Trivialen eine geheimnisvolle Aura verleihen.“ (Dr. Fritz Emslander, Stellvertretender Direktor, Museum Morsbroich, Leverkusen, 2018)

Das fotografische Konvolut geht zum einen Teil auf die Bestände im Fotolabor auf dem Gaspelshof in Willich zurück, die Sigmar Polke bei dessen Auflösung 1978 in Teilen seinem Sohn Georg überließ, zum anderen Teil auf eine Schenkung, die Georg Polke 1986 von seinem Vater erhielt.

Die über lange Jahre in Vergessenheit geratenen Fotografien wurden erstmals 2018 in der Ausstellung Sigmar Polke. Fotografien 70-80 im Museum Morsbroich, Leverkusen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und im folgenden Jahr in der Ausstellung Sigmar Polke’s Photographic Infamies im LE BAL, Paris präsentiert.

Ergänzt wird die Ausstellung durch einen großen Vitrinenschrank, mit nahezu sämtlichen monografischen Publikationen von und zu Sigmar Polke. Die umfangreiche Kollektion (Sammlung Prigge, Eifel) umfasst alle Ausstellungskataloge und Verlagsveröffentlichungen sowie das Gros veröffentlichter Einladungskarten, Faltblätter und sonstigen Ephemera, insbesondere aber auch seltene Katalog-Varianten, Kataloge mit Überzeichnungen von Polkes Hand und in limitierter Auflage erschienene Künstlerbücher. Bereits seit Ende der 1960er Jahre verfolgte der bibliophile Sammler Thomas Prigge Polkes Ausstellungen und Publikationen intensiv und versichert, dass er „immer alles aufgehoben habe“.

Von der ersten Publikation Polkes anlässlich seiner ersten Einzelausstellung in der Galerie Rene Block (Berlin, 1966) bis zu den jüngsten ausstellungsbegleitenden Katalogen fasst Prigges großer Archivschrank den gesamten bisher veröffentlichten Polke. Was nicht aus erster Hand in sein Archiv gelangt ist, komplettierte der leidenschaftliche Sammler über viele Jahre hinweg, so dass er jetzt auch absolute Raritäten in seinem Besitz weiß – darunter etwa das Typoskript von Polkes Selbstinterview 1966, das in nur wenigen fotokopierten Exemplaren erschienene Künstlerheft zur legendären Ausstellung Fünf in Köln (Kölnischer Kunstverein, 1979) oder Unikate wie Polkes collagierter Comic Diabolik (1979) und seine zufallsgesteuerten Klecksografien in einem Ringheft ohne Titel (Stenogramme) von 1985. Die zahlreichen Veröffentlichungen zu Sigmar Polkes fotografischem Œuvre werden in der Ausstellung in einer Reihe von Vitrinen präsentiert.

Sigmar Polke (1941 – 2010), lebte und arbeitete u.a. in Düsseldorf, Köln und Hamburg. Polkes Arbeiten wurden in Einzelausstellungen in renommierten Institutionen ausgestellt, darunter Museum für Gegenwartskunst, Siegen (2018); Museum Frieder Burda, Baden-Baden (2017); Städel Museum, Frankfurt am Main (2016); Museum Abteiberg, Mönchengladbach (2015); Tate Modern, London; The Museum of Modern Art, New York (beide 2014); Museu de Arte de São Paulo Assis Chateaubriand, São Paulo (2011); Hamburger Kunsthalle, Hamburg (2009); Städtische Galerie, Karlsruhe (2008); J. Paul Getty Museum, Los Angeles (2007); The National Museum of Art, Osaka, Japan (2006); Ueno Royal Museum, Tokyo (2005) und Dallas Museum of Art, Dallas (2002). Seine Werke sind in namhaften Sammlungen vertreten, wie dem Centre Georges Pompidou – Musée National d'Art Moderne, Paris; Guggenheim Museum Bilbao, Bilbao; The J. Paul Getty Museum, Los Angeles; San Francisco Museum of Modern Art, San Francisco; The Metropolitan Museum of Art, New York; Museum für Moderne Kunst, Frankfurt; The Museum of Modern Art, New York; The National Museum of Art, Osaka; Stedelijk Museum, Amsterdam und Tate Modern, London.



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